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Interview mit Herrn Michael Bartz - Die neue Welt des Arbeitens

Interviewpartner:
Michael Bartz
Dipl.-Ing. Dipl.-Wirtsch.-Ing.
Professor Export-oriented Management
IMC Fachhochschule Krems

Thema des Interviews:
Die neue Welt des Arbeitens – Wirtschaftlicher Erfolg durch neue Büros und neue Arbeitsformen

 

Was bringen neue Büros und neue Arbeitsformen? Können dadurch Klein- und Mittelbetriebe ihre Effizienz und ihren wirtschaftlichen Erfolg steigern? Lässt sich die Wertschöpfung neuer Büros und Arbeitsformen für Unternehmen auch messen?

Hr. Bartz, die „Neue Welt des Arbeitens“ ist heute in aller Munde. Sie gelten als Experte wenn es um das Thema die „Neue Welt des Arbeitens“ und ihre Auswirkung auf Mitarbeiter- und Unternehmensführung geht. Sie leiten Projekte an der IMC FH Krems in Zusammenarbeit mit Microsoft Österreich, ein Paradebeispiel für die Arbeitsform der Zukunft.
Wie sehen Sie persönlich die zukünftige Entwicklung unserer Arbeitswelt? Besteht Ihrer Meinung nach schon heute in Klein- und Mittelbetrieben dringender Handlungsbedarf?

M.Bartz: Ja, ich denke das Thema „Die neue Welt des Arbeitens“ ist speziell für Klein- und Mittelbetriebe ein entscheidendes Thema. Innovation und Kreativität sind ja gerade in Klein- und Mittelbetrieben wirklich vorhanden. Die Frage ist was man als Unternehmen daraus macht, in Hinblick auf Mitbewerber und internationale Konkurrenz.

Klein- und Mittelbetriebe haben heute die Chance, wie nie zu vor, im internationalen Umfeld erfolgreich zu agieren und großartige Marktchancen zu nutzen. Viele Klein- und Mittelbetriebe haben diese Chance schon erkannt und sind bereits sehr erfolgreich in Märkten Osteuropas, Asien oder China. Ich denke, da steckt aber noch viel mehr Potential dahinter.

Wenn Thomas Friedman schreibt: Die Welt ist flach, dann ist genau das damit auch gemeint. Zugangsbarrieren für kleine und mittlere Unternehmen fallen. Was bisher oft nur Großunternehmen vorbehalten war, bleibt es nicht länger.

 

Welche Strukturen und Arbeitskonzepte sind in Zukunft gefordert um den wirtschaftlichen Erfolg von Klein- und Mittelbetrieben gedeihen zu lassen?

M.Bartz: Top IT Technologie war ja bisher nur Großunternehmen vorbehalten. Großunternehmen die sich eigene IT Abteilungen, Serverräume oder Rechenzentren leisten konnten. Diese Unternehmen konnten auch immer top IT Produkte wie Lotus Notes, Microsoft Sharepoint, Unified Communications Produkte, etc. einsetzen. Aber mit der Einführung von Cloud Services, die sehr stark angenommen werden von österreichischen Klein- und Mittelbetrieben, ändert sich das Potenzial von vielen Klein- und Mittelbetrieben maßgeblich. Ganz plötzlich kann man ohne IT Abteilung und ohne Infrastruktur, Technologien nutzen die bisher nur den großen Unternehmen vorbehalten war.

Die Demokratisierung von IT und Technologie wirkt sich dann auch sehr stark auf neue Arbeitsformen aus. Wir werden in den nächsten Jahren beobachten können, dass Unternehmen auch mehr mit neuen Arbeitsformen experimentieren. Unternehmen setzen verstärkt auf neue Möglichkeiten der Interaktion mit Kunden sowie der Zusammenarbeit innerhalb des Unternehmens.

Ein zweiter Faktor der auch großen Einfluss hat auf Klein- und Mittelbetriebe ist der Generationenwechsel. Die Generation die sich „Digital Natives“ nennt, aufgewachsen mit Skype, Facebook, Life Services, Social Networks etc., diese Generation ist statistisch gesehen heute schon 32/33 Jahre alt. Es ist genau diese Generation die jetzt in die Unternehmen drängt. Die „Digital Natives“ machen in vielen Klein- und Mittelbetrieben bereits 15-35% der Belegschaft aus. Gehen wir von einer kleinen Firma mit ca. 30 Mitarbeitern aus, dann sind 7-10 Mitarbeiter bereits „Digital Natives“. Diese Mitarbeiter wollen ihr technisches Verhalten das sie aus dem Privatleben kennen und schätzen (zB. Probleme über soziale Netzwerke zu diskutieren und zu lösen) auch im Unternehmen anwenden.

 

Hr. Bartz, der Nachwuchs an jungen Talenten, so genannte High-Potentials, wird knapper. Wie können speziell Klein- und Mittelbetriebe ihre langfristige Attraktivität als Arbeitgeber der Zukunft stärken und so Wettbewerbsvorteile sichern?

M.Bartz: Junge Talente fordern klar und deutlich neue Arbeitstechnologien und neue Wege des Zusammenarbeitens.

Leider haftet Klein- und Mittelbetrieben noch oft das Image „verstaubt und stark hierarchisch“ an. Gerade mit diesen Image Faktoren kann die Attraktivität eines Unternehmens von der nachfolgenden Generation als „uncool“ (um es mit den Worten der jungen Generation auszudrücken) angesehen werden. Wenn ein Unternehmen als „uncool“ angesehen wird dann zieht es junge, qualifizierte Arbeitskräfte nicht wirklich an. Die junge Generation geht eher dahin wo ein attraktives Arbeitsumfeld vermutet wird.

Es ist klar zu erkennen, dass vorige Generationen eher auf Sicherheit bedacht waren: „Ich muss mein Leben absichern, Geld verdienen, ich darf nicht arbeitslos werden,...“ Die junge Generation ist da viel zuversichtlicher und lebt ganz unter dem Lebensgefühl: „Ich schaffe es zu jeder Zeit einen interessanten Job zu bekommen“ (was auch durch die demografische Entwicklung verstärkt wird). Für nachfolgende Generationen ist das Ausleben der eigenen Werte viel wichtiger als Sicherheit. Geld, Profitstreben und Statussymbole stehen nicht mehr an oberster Stelle. Junge Talente streben nach Selbstverwirklichung. Wir haben im letzten Jahr mit einer Bachelorarbeit an der IMC FH Krems genau das Verhaltensprofil von jungen Talenten untersucht. Und genau diese Fakten sind dabei rausgekommen.

Das übt natürlich großen Druck auf Unternehmen aus. Um auf das Stichwort „Handlungsbedarf“ nochmals zurückzukommen. JA, es ist definitiv Handlungsbedarf bei Unternehmen gefragt. Unternehmen müssen sich die Frage stellen „Wie schaffe ich es junge Talente anzuziehen?“ „Wie schaffe ich es ein Arbeitsumfeld zu bieten, organisatorisch, technisch bis hin zum Büroumfeld, das dieser Generation gerecht wird?“

 

Hr. Bartz, da schließe ich gerne auch an die nächste Frage an. Die Kernkompetenz vieler Büros liegt immer weniger in der Grundausstattung (Schreibtisch, Stuhl, Telefon, PC Hardware und Software) allein und immer mehr in der Ermöglichung von vernetzter Kommunikation und Kooperation. Für die Unternehmensverantwortlichen stellt sich deshalb die Aufgabe, das Büro neu zu definieren um das Beste aus den Mitarbeitern herauszulocken. Wie sehen Sie diesen Trend?

M.Bartz: Ja, das sehe ich genauso. Unternehmen müssen das Büro neu definieren. Sehen wir uns die demografische Entwicklung an, die Anforderungen der neuen Generation muss man gerecht werden. Die junge Generation arbeitet anders. Sie arbeitet viel vernetzter, in Teams. Das Thema „Einzelbüro“ ist mega-out. Das Thema „Anteil Bürofläche“ ist auch stark zu hinterfragen.

Was diese Generation eher braucht ist Platz zum Kommunizieren, Interagieren, Teamarbeit. D.h. die klassische Aufteilung Büro–Arbeitsfläche und Besprechungsräume verschiebt sich zu Gunsten neuer Bereiche und Flächen die das soziale Miteinander fördern sowie Kommunikation und Kooperation aktiv unterstützen. zB. Die Kaffeeküche bekommt eine ganz neue Bedeutung für Wertschöpfung im Büro.

Das „Entstauben des Büros“ und Reduktion klassischer Schreibtischarbeitsplätze führt in Zukunft zu mehr Leistung im Arbeitsumfeld.

 

Hr. Bartz, können Ihrer Meinung nach neue Büros und Arbeitsformen die Effizienz und den wirtschaftlichen Erfolg von Klein- und Mittelbetrieben nachhaltig steigern?

M. Bartz: Ja, ganz klar! Ich sehe ein ganz enormes Steigerungspotential!

Das neue Büro als soziale Plattform. Neue Arbeitsumgebungen welche Kreativität, Innovation, vernetzte Kommunikation, Teamarbeit und erfolgreiche Interaktion mit Kunden fördern.

Gerade in der heutigen Zeit der neuen, leistbaren Technologien kann ich überall arbeiten (im Café, zu Hause,…). Das Büro muss in Zukunft einen neuen Mehrwert bieten. Mitarbeiter sollen mit großer Freude ins Büro gehen. Einer dieser Mehrwerte kann die erfolgreiche Interaktion mit Kollegen, Partnern, Kunden, etc. sein. Freude am Arbeiten, gemeinsame Wertschätzung und die Firma als soziales Umfeld – das drückt eigentlich die enorme Bedeutungsverschiebung vom Büro aus!

Büro Designs die ausbrechen aus dem alten Muster, wie Schreibtisch-Stuhl-PC, fördern ganz klar Kreativität, Innovation und Freude an der Arbeit. Diese Erfolgswerte sind auch messbar. Die Steigerung der Effizienz und Produktivität durch neue Arbeitsformen kann in Unternehmen gemessen werden. Es ist auch klar nachzuweisen, dass die neuen Büro-Konzepte Kosten reduzieren zB. 15-25% Reduktion der Kosten für Büroinfrastruktur sind der Normalfall wenn man auf neue, alternative Arbeitsformen setzt.

 

Hr. Bartz, für Unternehmensverantwortliche spielt die Investitionsrechnung und der ROI eine entscheidende und sehr wichtige Rolle. Wie lässt sich Ihrer Meinung nach die Wertschöpfung neuer Büros und Arbeitsformen für Unternehmen nachhaltig messen? Welches Model ziehen Sie zur Berechnung heran?

M.Bartz: Wir arbeiten bei uns am Institut mit der Balanced Scorecard als Messinstrument.

Es ist aus meiner Sicht nicht ausreichend nur mit einem simplen Geschäftsmodell, das die notwendigen Investitionen und Kosteneinsparungen gegenüberstellt, den Erfolg zu messen. Das wäre eine viel zu kurze Betrachtungsweise. Folgende Messung sehe ich als nicht erfolgreich an: die neue Büroausstattung kostet mich Betrag X und durch diese Investition spare jedes Jahr den Betrag Y (zB. durch Verkleinerung der Bürofläche, mobiles Arbeiten, etc.). Schlussendlich rechnet sich die Investition in XY Jahren. Solche Kosten-Nutzen Rechnungen sind viel zu kurzfristig um den tatsächlichen Nutzen und die Wertschöpfung zu messen.

Der langfristige Nutzen ist für jedes Unternehmen unterschiedlich. Das Messmodell muss an die Strategie des Unternehmens angepasst werden. Was ist einem Unternehmen wichtig? Geht es um das Thema Steigerung der Mitarbeiterzufriedenheit, Produktivität, Kreativität, Freude am Arbeitsplatz, Kosteneinsparung, Performance Steigerung im Unternehmen, …

Das lässt sich alles in Zusammenhang stellen mit neuen Arbeits- und Organisationsformen bis hin zu neuer Bürogestaltung und auch langfristig anhand entsprechender Messgrößen messen und nachverfolgen. Eine einfache Kosten-Nutzen Rechnung würde die wirklich wesentlichen Faktoren außer Acht lassen. Wenn Unternehmen der Zukunft versuchen rein mit Kosteneinsparungen den wirtschaftlichen Erfolg zu sichern, dann sind sie klar auf dem Weg des Scheiterns angelangt.

Aktuell führen wir gerade eine ganzheitliche Erfolgsmessung durch, welche die Einführung neuer Arbeitsformen und Bürodesigns bei Microsoft Österreich misst.

 

Erfahren Sie mehr über die „Neue Welt des Arbeitens“ auf dem Blog: http://newworldofwork.wordpress.com/

Informieren Sie sich, diskutieren Sie mit, tauschen Sie Erfahrungen aus! Regelmäßig informiert Michael Bartz über top aktuelle Themen und Erfolgsbeispiele rund um die Arbeitswelt der Zukunft. Ein Blick in die Zukunft der sich auch für Sie lohnen wird!

Michael Bartz steht jederzeit für Anfragen rund um das Thema, Erfolgsmessung durch neue Arbeitsformen, unter contact@michaelbartz.com für Sie zur Verfügung.

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